Was ist Passivieren?
Unter Passivieren versteht man in der Chemie, eine Oberfläche so zu behandeln, dass sie chemisch weniger reaktiv wird. Bei Metallen bedeutet das meist: Es bildet sich eine schützende Oxidschicht, die das Grundmaterial vor Korrosion schützt.
Warum muss Edelstahl überhaupt passiviert werden?
Viele Edelstähle sind grundsätzlich „selbstpassivierend“: Chrom (und je nach Legierung Nickel) reagiert mit Sauerstoff und bildet eine dünne, schützende Oxidschicht. In der Praxis kann dieser Schutz jedoch beeinträchtigt werden – zum Beispiel durch:
- freies Eisen (z. B. durch Werkzeuge, Bearbeitung, Medien, Kontakt)
- mechanische Bearbeitung (Schleifen, Strahlen, Polieren)
- Schweißen (lokale Hitze, Anlassfarben/Zunder)
- chloridhaltige Umgebungen (z. B. Salze, maritime Luft, Bleichen)
Was bedeutet „Edelstahl passivieren“ konkret?
Beim Passivieren wird in vielen Anwendungen vor allem freies Eisen von der Oberfläche chemisch entfernt – typischerweise mit einer sauren Lösung. Dadurch bleiben die korrosionsbeständigen Legierungsbestandteile (z. B. Chrom/Nickel) an der Oberfläche verfügbar und können eine stabile Schutzschicht ausbilden. Diese Definition findet sich u. a. in ASTM A-967 und AMS2700 wieder.
Warum sollte Passivierung der letzte Arbeitsschritt sein?
Die passive Oxidschicht kann durch weitere Bearbeitung wieder gestört werden. Deshalb gilt häufig:
Reinigen → (falls nötig: Beizen/Anlassfarben entfernen) → Passivieren → Spülen/Trocknen
So wird die Passivschicht nicht direkt wieder beschädigt oder verunreinigt.